Die wertvolle, fast im Originalzustand erhaltene Rokoko-Orgel verfügt über 21 Register und ist eine der wenigen historischen zweimanualigen Orgeln in Hessen, die weitgehend im Ursprungszustand erhalten sind. Der Entwurf stammte vom ‚Hochfürstlich Hessen-Darmstädtischen Hof- und Landorgelmachers‘ Philipp Ernst Wegmann. Ursprünglich sollte die Orgel bereits 1766 und dann 1771 fertig gestellt sein, doch hielt Wegmann aus unbekannten Gründen die vertragliche Vereinbarung nicht ein. Sein Meistergeselle Johann Friedrich Meynecke setzte die Arbeit fort und vollendete die Orgel in den Jahren 1774/75. Komplettiert wurde sie 1778 mit vier zunächst ausgesparten Registern. Renovierungen erfolgten 1961 durch die Fa. Kemper / Lübeck und 1979-1982 durch die Fa. Gerald Woehl / Marburg. Ihrem Klang zu folgen, ist nicht nur für Musikexperten ein einzigartiger Genuss.
Überaus prägend für die Kirche ist ferner ihre Bildausstattung mit 48 Emporenbildern. Angefertigt hat sie der Maler Daniel Huisgen / Hisgen aus Lich (1733-1812), Sohn eines Pfarrers, dessen Familie holländischer, ursprünglich hugenottischer Herkunft war. In zwölf oberhessischen Kirchen hat man Bilder von ihm identifiziert. Bobenhausen sehr ähnlich ist die Kirche von Atzbach in der Gemeinde Lahnau zwischen Wetzlar und Gießen. Die Bobenhäuser Brüstungsbilder hat Hisgen im Jahre 1765 gemalt: Es handelt sich an der Altarseite bzw. an der Orgelempore um die Evangelisten und die Apostel. An den drei anderen Emporen ist ein 32-teiliger Bilderzyklus der Heilsgeschichte zu sehen, von der Schöpfung bis zum Pfingstgeschehen. Die Aufteilung ist nicht ganz symmetrisch zwischen Altem und Neuem Testament Fünfzehn Bilder bieten alttestamentliche Geschehnisse, siebzehn neutestamentliche Ereignisse. Bei letzteren bildet das Leiden Jesu den Schwerpunkt. Die Figuren sind in Rokoko-Kleidung gemalt, etwa die ägyptische Prinzessin, die den kleinen Mose in seinem Körbchen findet. Die drei Weisen aus dem Morgenland tragen Hermelinpelz nach Art der Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches. Hisgen griff für seine Bilder auf Vorlagen zurück. Sie entstammten der von Georg Gruppenbach veröffentlichten Tübinger Bibel mit Bildern von Christoph Meurer aus dem Jahre 1591. Zwei Gemälde von Martin Luther und Philipp Melanchthon komplettieren das ikonographische Programm der Kirche.
Mit den drei Emporen bietet die Kirche insgesamt ca. 450 Sitzplätze. Bis in die jüngste Zeit ist es – zumindest an hohen Festtagen – Tradition, dass die Dörfer des Kirchspiel ihren festen ‚Block‘ haben, an dem die Gemeindeglieder sitzen, wobei die Lage des Blocks in die Richtung des jeweiligen Ortes weist. Ebenso wurde die entsprechende Türen der drei Türen der Kirche benutzt. Vor der Generalrenovierung im Jahre 1960 befand sich ein Lettner in Form einer Balustrade als Abgrenzung zum Altarraum und zu den im Altarraum befindlichen Bankreihen, die für Pfarr- und Lehrerfamilien, Förster und Kirchenvorstand reserviert waren.
Die Kirche verfügt über vier
Glocken:
- Die große Glocke wurde 1790 von Friedrich Wilhelm Otto, Gießen, gegossen. Sie musste im letzten Krieg abgegeben werden, wurde nach dem Krieg in Hanau wiedergefunden und nach Bobenhausen zurückgeholt, ab dem Mücker Bahnhof unter dem Geläut aller Glocken an ihrem Wege.
- Die älteste Glocke: St. Anna-Glocke. Sie wurde 1521, kurz vor der Reformation, von einem Nicklaus von Lothringen, möglicherweise ein lothringischer Wandergießer, gegossen. Am Fries aus dem Hals finden sich die Inschriften: „gelt got maria sant anna selb drit“, und: „migc“ sowie drei Pilgerzeichen:
ein Ritter in voller Rüstung, mit Fahne und Schild, wohl der hl. Gangolf; eine Abbildung des Stalls von Bethlehem mit rosenumrankter Muttergottes samt Spruchband; eine Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes.
Die Pilgerzeichen deuten darauf hin, dass Bobenhausen, wenn nicht Wallfahrtsort, Sammelort für Pilgerfahrten gewesen sein könnte. Abgüsse der Pilgerzeichen sind im Turmraum, im Eingang der Kirche zu sehen.
- Die neue Glocke, gegossen 1955 in der Glockengießerei Rincker, Sinn, als Ersatz für die zweite im Krieg abgegebene und verschollen gebliebene kleine Glocke, die Arnold von Fulda 1584 gegossen hatte. Die Inschrift lautet: „O Land, Land, höre des Herrn Wort“ (Jeremia 22,29).
- Die zweite neue Glocke, 1962 ebenfalls in der Glockengießerei Rincker, Sinn gegossen. Sie ist den Gefallenen der beiden Weltkriege gewidmet.
Der auf der St. Anna-Glocke abgebildete Ritter Gangolf verweist auf das Patrozinium der Kirche. Sie war dem hl. Gangolf (auch Eginolf) geweiht, einem Ritter aus karolingischer Zeit, der um 760 ermordet wurde und später als Heiliger Verehrung fand. Die ersten Viten, also Lebensbeschreibungen des Heiligen entstammen erst dem 10. Jahrhundert; eine verdankt sich Roswitha von Gandersheim. Besonders verehrt wurde Gangolf im östlichen Frankreich, Burgund, Lothringen und Elsaß sowie in Deutschland im Raum Mosel und Franken.